Alternative zum Kunstrasen - Hybridrasen

Vom 01. bis 31. Juli 2013 wurde im Freizeitpark Grünwald eines der vier Naturrasen-Spielfelder in eine Hybridrasen-Anlage umgewandelt. Mit dem Einbau wurde die EUROGREEN GmbH aus Betzdorf beauftragt. Zum Einsatz kam der neue Hybridrasen PowerGrass.

Bevor die Hybridrasenmatte verlegt wurde, erneuerte ein Bauunternehmen den gesamten Untergrund inklusive Drainage. Bereits sechs Wochen nach der Einsaat fand das erste Testspiel statt. „Uns hat überrascht, dass der Rasen trotz dieses kurzen Abstandes nach dem Spiel in einem sehr guten Zustand war“, sagt Jörn-Torsten Verleger, Geschäftsführer der Grünwalder Freizeitpark GmbH. Normalerweise empfiehlt der Hersteller vor der erstmaligen Benutzung eine längere Ruhephase. „Wir empfehlen den Hybridrasen je nach Wetterlage zwei- bis drei Monate nach der Einsaat erstmals zu bespielen. Der beste Zeitpunkt für die Einsaat ist zwischen April und Oktober“, erklärt EUROGREEN-Marketingleiter Peter Kappes.

Seit dem 16. Oktober ist der Platz für den Spielbetrieb freigegeben und wird seitdem intensiv genutzt. Hauptnutzer der Sportanlage ist der TSV Grünwald, aber auch die Volkshochschule, örtliche Schulen und Firmen nehmen die Fußballplätze in Anspruch. „Der hohe Nutzerdruck, die fehlende Drainage und Bewässerungsanlage sowie die Beschattung durch umliegende Bäume waren die Gründe, warum wir uns zu einem Umbau entschlossen haben“, so Verleger. Die Gesamtkosten des Umbaus betrugen etwa 440.000 Euro. Darin enthalten sind sämtliche angefallenen Kosten, wie etwa der Einbau einer neuen Beregnungsanlage. 

Die ersten Erfahrungen sind nach Aussagen des Geschäftsführers bisher durchweg positiv. Jörn-Torsten Verleger: „Die Spieler spüren kaum einen Unterschied zu einem Naturrasen, nur der Belag fühle sich etwas härter an. Gelobt wurde zudem die sehr große Ebenflächigkeit, wodurch der Ball nicht verspringen würde.“ Auch das Ballverhalten sei fast genauso wie auf einem Naturrasen. „Aus meiner Sicht ist der Hybridrasen für Kommunen eine sehr interessante Alternative zu Naturrasen oder Kunstrasen, insbesondere in Bezug auf das Kosten-/Nutzenverhältnis“, zieht Verleger ein positives Zwischenfazit.

Im Gegensatz zu anderen Hybridrasen-Verfahren, die auf in die Tragschicht eingemischten beziehungsweise vertikal vernähten Kunststoff-Fasern basieren, fußt das neue Verfahren auf einer Matte, die mit einer gewissen Anzahl von eingewebten Kunststofffasern bestückt ist. Diese Matte wird auf das Planum gelegt, mit Rasentragschichtmaterial verfüllt und mit geeignetem Saatgut eingesät. Das Saatgut kommt zur Keimung und verwächst mit der Matte.

Laut DFB-Angaben kostet ein Naturrasen (400-800 Nutzungsstunden pro Jahr) etwa 300.000 Euro und ein Kunstrasen (2000-2500 Nutzungsstunden pro Jahr) etwa 500.000 Euro – ein Hybridrasen (etwa 1000 Nutzungsstunden pro Jahr) bewegt sich laut EUROGREEN mit 350.000 Euro auch für Kommunen und Vereine in erschwinglichen Dimensionen. Die jährlichen Unterhaltungs- und Lebenszykluskosten sollen, wie beim Naturrasen, bei etwa 30.000 Euro liegen. 

Im Vergleich zu einem Naturrasen verspricht das Hybrid-System eine zusätzliche Spielzeit von zwei bis drei Stunden pro Tag. Zudem soll das neue Hybridrasensystem PowerGrass gegenüber einem Naturrasen eine verbesserte Scherfestigkeit und Ebenflächigkeit aufweisen können.Der Rasen ist zudem laut Herstellerangaben vielseitig verwendbar. So kann er neben der Neuanlage oder dem Ersatz anderer Belagsarten auch zur partiellen Sanierung von Torräumen und Abschlagsbereichen auf Golfplätzen verwendet werden.

Neben der Fläche im Freizeitpark Grünwald wurden bereits weitere Großspielfelder mit dem neuen Hybridrasen ausgestattet, wie etwa beim Landessportbund Nordrhein-Westfalen in Sundern-Hachen (Umbau Tenne in Hybridrasen), in der Gemeinde Hilgert (Umbau Tenne in Rasen, Mittelachse Hybridrasen) und in der Stadt Betzdorf (Umbau Tenne in Hybridrasen). Hinzu kommen zahlreiche Tor- beziehungsweise Strafraum-Sanierungen mit Hybridrasen, beispielsweise auf den Trainingsflächen des Hamburger SV, des VfL Bochum und von Borussia Mönchengladbach. (Stadionwelt, 29.10.2013)

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